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Medienfrei und Schlagzeigenlos

Während einer Tramfahrt mit dem 11er wurde mir heute etwas klar. Ich habe vor etwa zwei Jahren begonnen, bewusst auf den Konsum von Massenmedien zu verzichten. Dies beinhaltete TV, Zeitungen, Radio. Das Internet hat sich noch ziemlich deutlich im Vordergrund gehalten, vorallem natürlich weil dieses Medium interaktiv ist, resp. ich es auch als Kommunikationsmittel mit anderen Menschen benötige oder zumindest benütze.

Eins ist mir jedoch aufgefallen: Seit längerem fühle ich diese Leere, dieses Dahintreiben durch das Leben ohne klare Linien. Ich befasse mich kognitiv nicht mehr mit den gleichen Themen wie früher, ich selbst und mein näheres Umfeld geriet ins Zentrum meiner Gedanken. Anstatt sich den Kopf über unnerreichbare und unnahbare Themen zu zerbrechen, mache ich mir nun viel persönlichere Gedanken.

Seit dem Konsumzölibat, sind einige Symptome zu Tage getreten, welche ich für eindeutige Korrelationen halte:

  • Rückgang des Interesse an politischen Themen
  • Die eigene Person tritt in den Vordergrund
  • Geschehnisse, welche von anderen Personen als Bagatellen empfunden werden, lösen bei mir teilweise heftige Reaktionen
    aus
  • Deutliche Verhaltensänderung im Internet: Gezielte Suche nach Informationen, planloser Konsum oder Surfen ging  deutlich zurück

Handkehrum bemerkte ich einige Dinge, welche widersprüchlich dazu
stehen:

  • Vermehrtes und intensives Betrachten und Hören von Werbespots
  • Aktives Lesen von Plakaten und Werbung im öffentlichen Raum
  • Suche nach zufälligen Informationsschnipseln abseits der Massenmedien (Broschüren, Schlagzeilen am Kiosk, Mund-zu-
    Mund-Weitergabe von Neuigkeiten)

Das Leben ohne grossflächige Berieselung durch die Massenmedien unterscheidet sich aber in jedem Fall vom Mitschwimmen im “Medien-Kontinuum”! Ich bin manchmal schockiert, wie wenig ich mitbekomme. Zum Beispiel am Tag an dem Doris Leuthard zur neuen Bundesrätin gewählt wurde, hörte ich zum ersten Mal davon, dass sie kandidiert hat und
dass überhaupt eine neue Wahl stattfindet. Aber alles was wirklich erwähnenswert ist, bekommt man immer mit! Darüber hinaus liefern einem die Bekannten meist noch Hintergrundinformationen und Meinungen, welche Zeitung und TV nicht bieten können.Auf mich wirkt das Konsumgut “Neuigkeiten” als Ansammlung von Fakten, welche meinen Geist jahrelang stetig gefüllt haben. Wenn ich mich jedoch nicht kritisch, aktiv damit auseinandersetze, nützt mir diese Datensammlung herzlich wenig. Leider bin ich immer noch in der Phase des Loslassens, und kann mich kaum dazu bewegen, aus diesem Schatten der Passivität heraus zu treten. Die Pläne sind aber klar: Produktivität anstatt Konsum! Dieser Blog ist vielleicht ein kleiner
Anfang dazu.